Stellungnahme der Homöopathie-Stiftung zur Rücknahme der Frass Studie

Widerruf der Veröffentlichung der Studie von Frass et al., 2020, über die Wirkung einer zusätzlichen homöopathischen Behandlung bei Krebspatienten in konventioneller Krebsbehandlung. Es ist keine wissenschaftlich haltbare Begründung für diese Entscheidung des Herausgebers erkennbar.

Am 24. November 2025 wurde die Veröffentlichung einer klinischen Studie von Frass et al. 2020, die den Wert einer zusätzlichen homöopathischen Behandlung, neben der üblichen onkologischen Versorgung bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinomen, NSCLC, untersuchte, vom Herausgeber der Zeitschrift „The Oncologist“ erneut zurückgezogen. Diese Studie, die entsprechend dem Goldstandard doppelblind, randomisiert, placebokontrolliert durchgeführt wurde, ergab, dass Patienten, die zusätzlich eine homöopathische Behandlung erhielten, eine verbesserte Lebensqualität und eine längere Überlebenszeit im Vergleich zur Placebo-Gruppe aufwiesen.

Ungewöhnlicherweise gab es für den Widerruf der Veröffentlichung2 durch den Herausgeber keine konkreten Gründe, abgesehen davon, dass der Herausgeber, der seit 2021 anhaltende Auseinandersetzung ein Ende bereiten wollte. Die Autoren haben die beiden vom Herausgeber genannten Gründe für den Widerruf offengelegt:

 a) Da bei dieser Studie individualisierte Homöopathie angewandt wurde, könne die Studie nicht replizierbar sein, und

 b) Professor Frass hatte einen nicht näher genannten Interessenskonflikt, weil er während der Studie in seiner Privatpraxis ähnliche homöopathische Arzneien verschrieben und „vermarktet“ habe.

Keiner der beiden Punkte hat eine Relevanz zum vorliegenden Sachverhalt:

Zu a) Individualisierte Homöopathie, also die individuelle Gabe der homöopathischen Arznei, entsprechend dem einzelnen Menschen und seiner spezifischen Symptome, ist ein Ansatz, der bisher bereits bis 2013 in 32 qualitativ hochwertigen placebo-kontrollierten Studien* getestet wurde3. Bei dem neuesten „Systematic Review“, Hamre et al., 2023, einer Übersichtsarbeit zu allen 6 vorhandenen Meta-Analysen von Placebo-kontrollierten Homöopathie-Studien für jegliche Indikation, zeigt die Homöopathie bessere Ergebnisse als Placebo4. In solchen Studien geht es um die Wirksamkeit der Homöopathie als Behandlungsmethode, nicht um die Wirksamkeit der verwendeten einzelnen Arzneien.

Die Behandlungsmethode kann sehr wohl repliziert werden.

* RCT=Randomised Controlled Trials entsprechen den strengsten Kriterien der Evidence-Based Medicine, EbM.

Zu b) Es besteht keinerlei Interessenskonflikt des Autors oder der Autoren. Die verwendeten homöopathischen Arzneien sind weltweit in vielen Ländern in homöopathischen Apotheken erhältlich. Die Verschreibung dieser Arzneien bedeutet nicht Vermarktung. Daher kann dem Arzt keinerlei Absicht eines finanziellen Gewinns durch ihre Verwendung bei seinen Patienten in der Praxis unterstellt werden.

2021 hatte eine antihomöopathische Gruppe (Einzelheiten, siehe unten) eine Reihe von Anschuldigungen gegen die Studie von Prof. Frass, initiiert. Als Reaktion darauf hatte die Zeitschrift „The Oncologist“ adäquat reagiert, entsprechende Maßnahmen ergriffen und führte eine gründliche, zweijährige Untersuchung der Studie durch.

Das Ergebnis dieser rigorosen Untersuchungen war, dass alle geäußerten Kritikpunkte und Bedenken von den Autoren vollständig entkräftet werden konnten. Die Zeitschrift publizierte daraufhin die Ergebnisse der Überprüfung im September 20245. Es erfolgte damit die vollständige Rehabilitation von Prof. Frass als Arzt und anerkannter Wissenschaftler.

Da die beiden jüngsten, neuen Kritikpunkte ebenfalls von den Autoren entkräftet wurden, gibt es keinerlei wissenschaftlichen Grund für den aktuellen Widerruf.

Auch wenn man nachvollziehen kann, dass der Herausgeber der Zeitschrift „The Oncologist“ diese vierjährige Auseinandersetzung und das erneute Hin- und Her mit der Studie endlich beenden möchte, entbehrt dieser Widerruf der Veröffentlichung jeglicher wissenschaftlicher Grundlage.

Dass es auf diese Weise zur Entfernung der einwandfrei geplanten und durchgeführten Studie von Frass et al. 2020 aus der Literatur gekommen ist, bedeutet einen Rückschritt für redliches Vorgehen in der Behandlung und Beurteilung von Wissenschaft und evidenzbasierter Medizin (Sinngemäße Übersetzung aus dem Statement des Homeopathic Research Institut (HRI), London, vom 3. Dezember 20256).

Referenzen                                                                                                      

  1. Frass M, Lechleitner P, Gründling C, et al. Homeopathic Treatment as an Add-On Therapy May Improve Quality of Life and Prolong Survival in Pa ents with Non-Small Cell Lung Cancer: A Prospective, Randomized, Placebo Controlled, Double-Blind, Three-Arm, Multicenter Study. The Oncologist, 2020;25(12):e1930-e1955. PubMed
  2. Retraction of: Homeopathic Treatment as an Add-On Therapy May Improve Quality of Life and Prolong Survival in Pa ents with Non-Small Cell Lung Cancer: A Prospective, Randomized, Placebo-Controlled, Double-Blind, Three-Arm, Multicenter Study. The Oncologist, 2025;30(11):364 PubMed
  3. Mathie RT, Lloyd SM, Legg LA, et al. Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systema c review and meta-analysis. Syst. Rev, 2014;3:142 PubMed
  4. Hamre et al., “Efficacy of homoeopathic treatment: Systematic review of meta-analyses of randomised placebo-controlled homoeopathy trials for any indication”. Sys. Rev., 2023
  5. Correction to: Homeopathic Treatment as an Add-On Therapy May Improve Quality of Life and Prolong Survival in Pa ents with Non-Small Cell Lung Cancer: A Prospective, Randomized, Placebo-Controlled, Double-Blind, Three-Arm, Multicenter Study. The Oncologist, 2024; 29(11):e1631 PubMed.
  6. https://www.hri-research.org/resources/homeopathy-faqs/scientific-evidence-for-homeopathy/

WEITERE INFORMATIONEN

Im Jahr 2021 reichte eine deutsch-österreichische Anti-Homöopathie-Gruppe eine Beschwerde gegen die Studie von Frass et al. 2020 sowohl bei der Zeitschrift The Oncologist als auch bei der Medizinischen Universität Wien, wo die Studie stattgefunden hatte, ein; letztere leitete die Beschwerde zur Stellungnahme an die Österreichische Agentur für Forschungsintegrität (OeAWI) weiter.

Im August 2022 veröffentlichte die OeAWI eine Abschlusserklärung, in der sie behauptete, Hinweise auf Fehlverhalten gefunden zu haben und erklärte, dass „einige der Ergebnisse nur durch Datenmanipulation oder Fälschung erklärt werden können.“ Dieser Bericht wurde an den Herausgeber von The Oncologist geschickt, mit der Bitte die Studie zurückzuziehen, dann an die Autoren, woraufhin die OeAWI (nach deren Verfahren) den Fall ohne Berufungsrecht schloss.

Besonders erwähnenswert ist, dass die OeAWI die Untersuchung Prof. Frits Rosendaal und Prof. Katrin Auspurg zuwies: 2002 war Prof. Rosendaal Co-Autor einer Studie mit klarer Antihomöopathie-Verzerrung. Außerdem erklärte Prof. Rosendaal in den online veröffentlichten Kommentaren:

„Unsere vorherige Erwartung bezüglich Homöopathie ist null, daher ist Forschung für uns bedeutungslos; Schließlich kann es unser Urteil über die Wirksamkeit der Homöopathie nicht ändern.“

 “….. es kann keine Wirkung der homöopathischen Medizin geben.“

Obwohl eine vorherige Meinung einen Wissenschaftler nicht daran hindert, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, ist eine so klare und lang etablierte Position ein potenzieller Interessenskonflikt, der erklärt werden sollte. Doch die OeAWI erwähnt keinen Interessenskonflikt.  

Nach Erhalt des OeAWI-Berichts startete „The Oncologist“ eine eigene, gründliche zweijährige Untersuchung. Professor Frass folgte diesem Prozess vollständig und lieferte weitere Informationen, um alle Bedenken zu beantworten, was zu dem Schluss der Zeitschrift führte, dass die Studie weiterhin gültig ist.

Eine formelle Korrekturmitteilung wurde veröffentlicht, um die angesprochenen Punkte zu klären, wobei die Herausgeber erklärten: „… Weitere Details, die in der ursprünglichen Publikation nicht enthalten sind, wurden inzwischen von den Autoren bereitgestellt und von den Herausgebern überprüft, um diese Bedenken zu klären. Die Ergebnisse der Studie waren dadurch nicht beeinflusst worden.“

Angesichts der verstärkten Aufmerksamkeit um diese Studie veröffentlichte „The Oncologist“ auch einen Leitartikel zu ihrer Einschätzung dieser Studie. In diesem Artikel erkannten die Herausgeber die Schwierigkeiten an, mit denen Forscher bei der Durchführung und Veröffentlichung von klinischen Onkologie-Studien konfrontiert sind und betonten die Bedeutung, alle Daten – unabhängig davon, wie unerwartet die Ergebnisse erscheinen mögen – zu veröffentlichen.  

An diesem Punkt, wo die Studie zur Zufriedenheit des Journals verteidigt worden war, hätte die akademische Diskussion abgeschlossen sein müssen.

Mitglieder der ursprünglichen Anti-Homöopathie-Gruppe erhoben jedoch 2025 weitere Beschwerden und erzwangen eine weitere Untersuchung, was zu den folgenden neuen Kritikpunkten führte:

  1. Anwendung der individualisierten Homöopathie
  2. Interessenskonflikt: Behandlung der Patienten in der Praxis mit homöopathischen Arzneien, was angeblich eine finanzielle Bereicherung zum Ziel habe.

Diese Punkte, die keinerlei wissenschaftliche Grundlage haben, führten zum aktuellen Widerruf der Veröffentlichung der Studie von Frass et al. im November 2025.

Literatur (siehe oben, Referenz 5.) 

5. Correction to: Homeopathic Treatment as an Add-On Therapy May Improve Quality of Life and Prolong Survival in Patients with Non-Small Cell Lung Cancer: A Prospective, Randomized, Placebo-Controlled, Double-Blind, Three-Arm, Multicenter Study. The Oncologist, 2024; 29(11):e1631 PubMed.

Autorin: Dr. Karoline Kretzdorn, Stiftungsvorständin